Tag 1 (15.02.)
Hallo ihr Lieben Deutschländer (Würstchen) ;)
Wir sind gut in Indien angekommen, wenn auch der Weg nicht so leicht zu finden war… Der Flug von Auckland nach Dubai war in Ordnung, wir sind wieder mit einem dicken A380 geflogen haben allerdings nur ca. 2 Stunden geschlafen, da keine Position richtig gut war. Also haben wir uns die Zeit mit Essen und Filme gucken vertrieben ;) Der Flughafen in Dubai war allerdings relativ katastrophal… da die Emirate - wie man sich vorstellen kann - scheinbar zu viel Geld haben (oder bald mit der 10fachen Menge der derzeitigen Touristen rechnen) - gibt es natürlich nicht nur einen riesigen Komplex, in dem man sich verläuft. Nein, es sind direkt mindestens 3. Allerdings fehlen leider die Schilder und so mussten wir 4 oder 5 Leute fragen, bis wir endlich im Shuttlebus von Terminal 3 zu Terminal 1 saßen, wo wir dann auch noch weiter geschickt wurden in eine Nebenhalle, da gerade unsere Airline nicht dort abflog. Endlich am rechten Ort waren wir immer noch zur falschen Zeit. Da „die größte Airline Indiens“ wohl selten über Dubai fliegt (Jet Airways hatte nur 1 Flug an dem Tag), mussten wir noch einige Stunden warten, bis der Check-In Schalter besetzt wurde und so haben wir uns gemütlich auf die Flughafenbänke geworfen und etwas Schlaf nachgeholt ;) Nach einem kleinen Frühstück haben wir noch einen günstigen Duty Free Einkauf (24 Kit Kat für ca. 6€) hinter uns gebracht. Wer von euch also eine Idee hat und etwas mitgebracht bekommen möchte (Technik gibt’s dort natürlich auch) - sagt Bescheid. Die Maschine nach Mumbai war natürlich etwas kleiner, das Essen nicht ganz so klasse, aber der Flug mit 3h auch um einiges erträglicher. Hätte Dana Philip nicht die ganze Zeit mit Nichtigkeiten angequatscht, sobald er grad die Kopfhörer wieder auf hatte, so hätte er auch sicherlich einen Film zu Ende gucken können, anstatt dass im dramatischsten Moment die Bildschirme abgeschaltet wurden und nur noch ein „Danke, dass sie mit uns geflogen sind“ zeigten. Zumindest konnten wir so erste ernüchternde Eindrücke von Mumbai sammeln… wir wussten zwar, dass wir nicht in New Yorks Skyline landen, doch die ziemlich verfallenen Bauten, die nur von Slums aus Wellblechhütten unterbrochen wurden - welche sich sogar direkt bis an die Flughafenmauern ausgebreitet hatten - dann wirklich mit eigenen Augen zu sehen ist doch noch mal eine andere Geschichte und schon ergreifend, wenn nicht sogar schockierend.
Das letzte Stück haben wir dann in einem Jeep zurück gelegt. Der Fahrer hatte netterweise über 1h auf uns gewartet (der Arme) und wir konnten uns auch nicht mehr so wirklich auf den Beinen halten. Der Fahrstil und der Verkehr in Mumbai haben uns jedoch seeeehr vom Schlafen abgehalten. In jede Lücke zwängt sich ein Motorrad oder eine Mopedrikscha, jeder hupt andauernd um zu sagen „Hier bin ich“ oder „Komm nicht noch näher“ und auf den Lastern steht hinten häufig „Horn Ok Please“… was das genau soll wissen wir auch nicht. Am Anfang dachten wir noch, dass es ein Spaß sei, da auf einer Rikscha nur „Horn Please“ stand, doch es wird wohl seinen Sinn haben. Straßenverkehrsordnung ist hier jedenfalls ein Fremdwort, Linien gibt es auf den Straßen auch fast keine und obwohl mal die 3/4tel der Straße vom Gegenverkehr und dann auf einmal wieder 3/4tel vom Verkehr in unserer Richtung genutzt werden, haben wir nur 1 fast-Unfall gesehen und geflucht hat auch niemand (so wirklich). Auf jeden Fall ein SEHR interessantes Erlebnis, sowas sollte jeder mal gemacht haben =)) Am Gasthaus angekommen wurden wir von Chandra (Haushälterin) empfangen, die sich nur vorstellte und dann - zu unserer großen Freude - sagte: Den Rest regeln wir morgen. Totmüde sind wir dann in unserem Zimmerchen (angenehm große 20qm mit Bett, Moskitonetz, Sessel, Affenschaukel, Schränken und einem urigen Badezimmer) ins Bett gefallen.
Tag 2 (16.02.)
Geschlafen haben wir trotz des extremen Schlafmangels nur bis ca. 9 Uhr. Am Klima liegt es zum Glück nicht, denn hier im Winter wird’s nachts noch angenehm kalt (15-18°), was uns seeehr entgegen kommt. Tagsüber haben wir um die 26-30 Grad, aber alles relativ okay - außer an der Hauptstraße, wo der Bär tobt und tausende Fahrzeuge ohne KAT um die Wette hupen. Dennoch werden wir nach wie vor nicht überfahren… echt verwunderlich.
Morgens machten wir uns auf eigene Faust und ohne Plan erst einmal auf die Suche nach Frühstück. Wir brachten in Erfahrung, dass es in der Cafeteria am Krankenhaus ganz passables Essen (= ohne größere Durchfallgefahr) gäbe. Bis zur „Caféteria“ haben wir uns dann durchgefragt um dort für 9 Rupien (60 Rupien sind 1 Euro) ein Blätterteigdreieck, gefüllt mit einer Currypaste zu essen. Die Gänsefüßchen bei Cafeteria werdet ihr verstehen, wenn ihr euch dieses Foto anguckt:

Einen Liter Wasser haben wir uns auch noch geholt, dieser hat 15 Rupien gekostet (was wohl schon ein ziemlich günstiger Preis ist. In einem anderen Laden haben wir dafür 40 R bezahlt… es ist also sowohl in NZ als auch in Indien teurer als beim Aldi daheim).
Wieder daheim hat Chandra schon auf uns gewartet und uns mit 2nd Hand-Roben eingekleidet, die wir im Ashram tragen. Dunkelrote für den Tag und weiße Roben für Abendstunden. Die stehen uns richtig gut, vor allem Philip sieht sehr Jesusmäßig aus ^^

Danach haben wir uns mit Aviram unterhalten, unserer deutschen Kontaktperson hier, die sich wohl um das 2. Wohnhaus kümmert (beide ca. 4 Etagen) und uns einige Tipps geben konnte bezüglich Essen, den Abläufen hier, Preisen für Rikschas und Supermärkte (wenn man die so nennen kann) und und und. Sie haben wir auch gefragt, warum die Inder zu 95% relativ neutral bis böse gucken, wenn wir durch die Straßen laufen. Eigentlich hätten wir eher mit Offenheit und vllt Neugier oder Freundlichkeit gerechnet, doch freundlich sind die Blicke, die vor allem Dana erntet eher nicht. Aviram versicherte uns jedoch, dass es hier alles gibt, von erzkonservativ bis hin zu relativ westlich und wir ruhig Hand in Hand gehen können (was wir kurzzeitig wegen der Blicke und des Verkehrs erstmal unterlassen hatten) etc. Sie selbst ist wohl eine Aussteigerin und lebt 6 Monate in D und 6 Monate in I. Sie hat uns sogar netterweise innerhalb von 2 Tagen Internet ins Zimmer legen lassen. Auch wenn hier alles so chaotisch aussieht, es scheint doch System zu haben und zu funktionieren. Sie hat uns auch die Anekdote erzählt, dass Ampeln hier eine ziemliche Revolution sind und die Inder sich so langsam dran gewöhnt haben (dank der Strafen), bei rot auch mal zu halten.
Allgemein sind wir sehr geflasht von dem Leben und Treiben hier. Die „Geschäfte“ - wenn es nicht nur Straßenstände sind, die morgens auf und abends abbauen sind kleiner als Garagen und haben nur eine Hand voll Artikel in den Auslagen. Ein Technikgeschäft ist man also hier schon, wenn man zwei Lautsprecher und ein Telefon verkauft. Supermärkte haben zwar meist von allem was man braucht nur eine Marke, aber dennoch überraschenderweise alles was man braucht - wenn auch meist eher zu westlichen Preisen oder ca. 2/3tel davon. Die Gebäude sind ausnahmslos enorm heruntergekommen, teilweise sehen sie sogar zerbombt aus (so wie unser Nachbarhaus) und natürlich sehr dreckig. Irgendwie hat hier alles so einen leichten Braunstich der wohl von dem Staub und den Abgasen herrührt, oder aber vom Verbrennen von Plastikmüll auf der Straße, was hier keinen zu stören scheint und von kleinen Kindern am Straßenrand erledigt wird, die den Kram schön fleißig einatmen. Wenn wir an der Hauptstraße entlang laufen treibt der Gestank von Feuern, Autos, Urin (viele pinkeln einfach an jede x-beliebige Mauer) uns gerne mal die Tränen in die Augen. Dennoch wuseln überall geschäftige Menschen umher, reparieren Räder, ihre Rikschas, bringen ihren Kindern das Verkaufen bei, trinken Tee, spucken durch die Gegend, essen und trinken an den Ständen und und und. Ach ja.. auf jeden 30. Menschen kommen hier 1-2 wilde und traurig dreinblickende (teilweise recht vermagerte) Hunde, was dann im Schnitt ca. auf einen Hund alle 10m hinaus läuft. Dies ist natürlich ziemlich unangenehm, wenn die meisten davon sicherlich mindestens eine Krankheit haben und im schlimmsten Fall auch Tollwut, eine Krankheit, die in 100% der Fälle tödlich verläuft. Ein Biss oder Kratzer reicht angeblich schon und wenn man dann nicht innerhalb eines Tages im Krankenhaus ist und nachträglich geimpft wird (was auch nicht IMMER klappt), oder der Körper nicht schnell genug Abwehrkräfte aufbaut, dann war es das. „Glücklicherweise“ benehmen sich die Hunde hier anders als in D und kommen eigentlich nicht schwanzwackelnd angesprungen und wollen einen beschnüffeln, sondern ziehen eher ihre Schwänze ein und machen einen mitleidserregenden und geschlagenen Eindruck.
Am Mittag sind wir dann zum Osho-Ashram gegangen. Der Grund, weswegen wir eigentlich hier nach Pune gekommen sind. Dort haben wir einen obligatorischen HIV Test gemacht (positive Menschen sind unerwünscht) und dann wieder nach Hause gewackelt. Auf Avirams Tipp hin sind wir dann noch in ein Restaurant gegangen, von dem sie sagte „dort kann man für 60Rupien (=1€) so viel essen, wie man will“. Genau was Philip wollte dachten wir uns und nachdem sich herausgestellt hat, dass auch Aviram - wie die meisten Menschen in Neuseeland - relativ laufmüde sind und alle Strecken mit Autos oder Rikschas zurücklegen, kamen wir nach 10 min Fußmarsch und einer durchschnittlichen deutschen Jahresbelastung Smog bei „Raga“ an. Komischerweise waren wir sehr überrascht, obwohl wir es mittlerweile besser hätten wissen müssen. Statt eines All-you-can-eat-Buffets liefen wir auf ein schmockiges Wohnhaus zu und sahen uns mit einer indischen Familie beim Essen kochen konfrontiert. Keiner der einem irgendwas erklärt, kein Hinweis auf Preise, Gerichte oder irgendwas. Nur eine speisende Dame in einer „maroon“roten Osho-Robe und ein „Weißer“ der in der Gruppe Inder saß deutete auf eine Gastwirtschaft hin. Wir fragten die Damen am Herd ob wir hier richtig seien und sie bestätigten, guckten allerdings teilweise sehr böse. Wir waren sehr unsicher, zogen unsere Schuhe aus, gingen in die Küche, die gleichzeitig Essraum war (ca. 5x5 Meter), halboffen zur Straße hin und wussten nicht was zu tun. Eine Köchin kam dann und wies in die Ecke, wo wir uns setzen könnten. Dana setzte sich auf etwas, was wie ein größerer Schemel wirkte, wurde dann jedoch bald korrigiert, da wir uns auf den Boden setzen sollten und dieser Schemel unser Esstisch war =)) Das Essen war jedoch ausgesprochen gut und interessant. Es gab Reis, kleine runde Brotfladen (die direkt auf der Gasherdflamme gebacken wurden), Gemüsematsch und Suppe ^^ Klingt komisch, war aber wirklich lecker und auch nur angenehm scharf - selbst Dana konnte alles essen und das will was heißen ;) Nach zwei gut gefüllten Tellern waren wir sehr zufrieden und auf dem Weg zurück nach Haus. Es war zwar erst Nachmittag, doch irgendwie waren wir sehr müde und legten uns für ein Nickerchen hin. Um 19:xx wachten wir auf.. es war schon relativ dunkel und wir wurden gar nicht so richtig wach. Daher entschieden wir uns einfach nur die Zähne zu putzen (sträflicherweise mit Leitungswasser, was man laut unserem TravelDoctor Buch nicht machen sollte und was wir seitdem auch lassen) und weiter zu pennen, mit mehreren Unterbrechungen bis zum nächsten Tag um 7 Uhr, was also ca. 12h Schlaf gewesen sein durften =) Ein bissi hat uns der Mangel also wohl doch in den Knochen gesteckt. Unser Trinkwasser kochen wir natürlich ab, genau so wie nun auch das Zahnputzwasser - zumindest wenn wir nicht gerade einen Stromausfall haben, wie es ab und an mal vorkommt - … auch interessante Bedingungen, an die man sich erstmal gewöhnen muss.
Tag 3 (17.02.)
Morgens sind wir zur „Welcome“ Rundführung in den Osho-Ashram gegangen und haben dort erste Kontakte mit den Meditationsformen sowie mit dem Areal gemacht. Zum Auflockern gab es direkt mal „This is Love“ (diese Fußballhymne von 200x) und wir sind alle durch den Raum gehüpft. Danach gab es ein paar einführende Worte und nochmal ein paar Tänze… von drei vertretenen Nationen wurden „typische“ Lieder gespielt und wer aus dem Land war, sollte ebenfalls „typische“ Tanzbewegungen vormachen, die alle gut gelaunt mittanzten. Nach EINER Rumänin und EINEM Amerikaner kamen dann SECHS Deutsche (…auch hier sind wir wieder schamlos überrepräsentiert)… wir hatten mit dem Ringeltanz und einer Polonäse (?) aber auf jeden Fall die genialsten Moves drauf ^^. Die Meditationen sind SEHR „Dynamic“… bei der Osho Dynamic soll man 10 Min ohne Rhythmus, tief, schnell und hart ausatmen (und hoffentlich nicht wegen Hyperventilation umfallen), danach 10 Min „explodieren“ und alles rauslassen was raus muss, egal ob es schreien, weinen, lachen, zappeln, hacken, stampfen oder was auch immer ist. Danach kommen 10 Min springen und HU! (kommt aus dem Bauch heraus) rufen/brummen, so tief es geht und die Arme über dem Kopf halten. Dann kommt irgendwann ein „STOPP“ und so wie man gerade steht - meist sehr unangenehm - soll man dann 15 (!!) Minuten eingefroren verharren. Abschließend kommen 15 Minuten „feiern“, zur Musik tanzen und sich freuen. Wir Anfänger haben jede Phase nur 2 Minuten zum Kennenlernen gemacht und wir können euch sagen: SEHR anstrengend, SEHR unangenehm und SEHR interessant =))

Eigentlich wollten wir euch eine schöne, anschauliche (und natürlich witzige) Bilderserie mit allen Phasen der Dynamischen Medi präsentieren, allerdings ist uns bei der Bilderauswahl aufgefallen, dass wir scheinbar die ersten beiden Phasen vergessen (oder gelöscht?) haben.. Wie konnte uns das nur passieren?! Naja, nun seht ihr Dana in der "eingefrorenen" Position ;)
Das Feiern ist richtig gut, denn allein das hektische ausatmen bringt einen an den Rand der eigenen Kräfte, vom Rumzappeln und Arme eingefroren über dem Kopf halten ganz zu schweigen. Philip hat so viel geschrien, dass er den ganzen Tag über noch heiser war.. und das alles nach einem Fünftel der echten Zeit. Die echte Meditation geht wie gesagt eine Stunde und fängt morgens um 6:00 Uhr an. AUTSCH. Eine weitere Meditation haben wir auch noch kennen gelernt (die wir aber aus Platzgründen nun mal auslassen) und mehr über den Ablauf der abendlichen OSHO-Lesungen erfahren. Leider haben wir hier nicht so super viel Merkleistung erbracht, denn der Abend endete in einem organisatorischen Fiasko. Wir wollten die Lesung eigentlich besuchen, sind also heim um unsere Roben von rot nach weiß zu wechseln, Meditationskissen auf den Rücken zu spannen und sind dann los, um im Ashram noch was zu essen, bis uns dann einfiel: In weißer Montur darf man nichts essen bzw. wird nicht bedient - Naaa klasse! =) Also sind wir nochmal schnell zum Raga gewackelt und haben dort zwei leckere Teller gegessen. Dieses mal gab es Reis, Brote, Suppe und eine andere Gemüsematsche (es waren wohl Minigurken „Very good for your tummy *grin*) - klingt komisch, war aber wieder super lecker. Das Essen im Ashram (was wir mittags hatten) ist zwar auch interessant, bunt und lecker, jedoch zahlt man dort für ein Mini-Schüsselchen direkt so viel wie für das ganze Essen bei Raga (oder sogar mehr). Danach wackelten wir den Weg wieder zurück, um wenigstens noch in dem Ausweichraum die Übertragung der Lesung (bzw. des Videos welches abgespielt wird, zzgl. begleitender Meditation) mitzukriegen. Diesen „Ausweichraum“ gibt es für Menschen die z.B. krank sind und nießen oder husten, oder für Menschen die - sobald sie merken, dass sie niesen oder husten müssen - den Saal verlassen müssen, um die anderen nicht zu stören. Da scheinen die echt kein Erbarmen zu kennen - wer einmal nießt ist raus! Allerdings war es schon 18:45 und die Lesung um 18:40 wohl kaum noch rechtzeitig zu erreichen. 120 undeutbare Blicke, 8 Hunde, 2 Bettler und 70 Mopedrikshas später kamen wir am Ashramtor an und dann fiel uns die nächste Geschichte ein, die wir bei der Einführung zwar gehört, aber nicht gespeichert hatten: Während dieser Abendveranstaltung werden die Tore abgeschlossen und erst danach wieder geöffnet. Döööt.. wir Nasen, alles umsonst… der Wachmann hatte nur einen mitleidigen „Kann ich nix ändern“-Blick drauf und wir beschlossen den Abend als abgeschlossen zu betrachten und den Weg durch die dreckige Stadt wieder zurückzulaufen. Heute lachten immerhin mehr Leute, wenn auch wohl eher ÜBER uns. Keine Ahnung, ob dies an unserer weißen Montur lag, oder daran, dass Danas grün-weiß karierte Boxershort sich leicht unter der weißen Robe abzeichnete.. aber immerhin haben wir einige Inder erheitert. Bezüglich der Workshops, die wir im Osho-Ashram eigentlich besuchen wollten, sind wir auch ein wenig auf den Boden der Tatsachen zurück geholt worden. Je nach Länge der Kurse kosten diese zwischen 16.500R für 2 oder 57.300R für 8 Tage (letzteres sind knapp 1000€ und entsprechen einem Jahresgehalt der schwerreichen, neuen Mittelschicht, die sich laut Aviram hier in Pune gebildet hat). Bei den Preisen sind wir aus allen Wolken gefallen, doch gibt es auch andere im Eintrittspreis inbegriffene Alternativen, wie z.B. Zen Bogenschiessen, auf das Philip ganz heiß ist, oder Yoga und verschiedene andere Meditationen.
Ach ja.. unsere erste Mopedrikschafahrt haben wir heute auch hinter uns gebracht. Bisher kannten wir diese Gefährte ja nur aus der Fußgängerperspektive oder vom Rücksitz eines gut geschützten und klimatisierten Jeeps - und wir müssen sagen: Es war wirklich ein Erlebnis =) Halb geduckt sitzt man auf einer Achse mit 2 Wassermelonengroßen Rädern, ohne wirklich Federung und rumpelpumpelt über den Aspha…Straßenbelag. Rechts zieht auf einmal - halb verdeckt vom mit ordentlich Panzertape gefixten Dach - ein Auto an einem vorbei, links ein, zwei Motorräder (die sich natürlich mit ihrer Hupe ankündigen (welche Kinder auf ihren Rädern übrigens in Ermangelung einer solchen mit der Zunge nachmachen „Lülülülülü“) nur damit der Rikschafahrer auf einmal einen U-Turn mitten in den Gegenverkehr macht. Da schickt man schon ein Stoßgebet gen Himmel und hofft, dass der silberne Kleinwagen, der einem dort mit einem Affenzahn entgegenkommt zur „Bremser“- oder „Ausweicher“-Fraktion gehört. Das bisschen Blech um einen herum vermittelt jedenfalls kein Gefühl der Sicherheit, nicht einmal mit Panzertape ;) Unser Fahrer gehörte allerdings zu einer wirklich ehrlichen Sorte und fuhr uns für unsere 50R erst zum Bankautomaten, wo er dann auf uns wartete - aus Ermangelung an Wechselgeld seinerseits - um uns dann am Ashram rauszuwerfen.

Zum Thema Bankautomat und Wachmänner gibt es auch noch etwas zu berichten, denn letztere findet man hier wirklich überall. Die Stadt scheint in dieser Hinsicht wirklich sicher zu sein … bzw. andererseits deutet so ein Aufgebot an Wachpersonal natürlich auch auf etwas anderes hin. Nun ja.. jedes größere Geschäft, jede Bank und jedes Hotel, Krankenhaus und jedes bessere Wohnhaus hat hier seinen eigenen Wachdienst. Am Osho-Ashram sind die Zufahrtswege sogar gesperrt und es sitzen meist 6-10 Uniformierte vor Polizei- oder Militärbussen herum. Diese Typen gucken wenigstens nicht ganz so garstig, manchmal sogar recht freundlich (als Philip nach der Uhrzeit fragte hätten sie sich fast überschlagen um als erste die Auskunft an der Hand zu haben). Auf der nördlichen Hauptstraße sitzt sogar ein Häufchen Soldaten hinter Sandsäcken und hat ein MG auf die Straße ausgerichtet. Schon interessant, wenn man auf einmal an der Mündung von so nem Ding vorbei läuft / laufen muss. Es sitzt sogar ein Wachmann in dem etwas mehr als telefonzellengroßen Raum neben dem Citibank-Geldautomaten. Dieser ist laut Aviram einer der wenigen, die auch mehr Geld auszahlen (was ca. 75€ Maximalauszahlung pro Karte einstecken bedeutet). Dort haben wir versucht 10.000 Rupien abzuheben, was 166€ entspricht. Wie oft man davon Mittag essen kann könnt ihr euch ja mittlerweile ausrechnen (166mal). Es war also ziemlich unangenehm, dass wir uns neben diesem armen Wachmann versucht haben 10.000 Rupien zu ziehen (wahrscheinlich SEIN Jahresgehalt) um die Miete und Ashramgebühr für ca. eine Woche zu bezahlen und der Automat dann irgendwelche Fehlermeldungen ausspuckte. Der Wachmann stotterte auf seinem Indlisch dann etwas von 4000 Maximum, aber man könne mehrmals hintereinander Geld abheben. Natürlich hat er sich die Gelegenheit andererseits auch nicht entgehen lassen und mit seinem Dackelblick 10Rupien erfragt, die wir ihm sowohl gestern als auch heute gegeben haben (mit den Almosen ist er wahrscheinlich der bestverdienendste Wachmann in der ganzen Stadt). Es ist wirklich krass, wie sehr hier arm auf reich prallt und wir sind schon gespannt, wie dies erst sein wird, wenn wir die WIRKLICH armen Menschen auf dem Land treffen werden, sobald wir in ca. 2 Wochen ein wenig durch Indien reisen. Da kommt man wirklich ins grübeln…
Wie ihr seht überschlagen sich bei uns gerade die Eindrücke. Auch diesen Text haben wir noch einige Male um weitere Eindrücke ergänzt, die uns nach kurzem Besinnen einfielen, da sie bereits von anderen Impressionen überlagert wurden. Es gibt Gutes wie Schlechtes, Trauriges wie Schönes… Indien ist wirklich ein Land der (extremen) Gegensätze und auch wenn es hier dreckig und sicherlich lebensverkürzend ist, so wissen wir schon nach dem dritten Tag, dass wir am Ende dieser sechs Wochen die Zeit und den Wohlstand, den wir - qua Geburt - genießen dürfen, sicherlich um einiges mehr zu schätzen wissen werden.