Tag 4 - 9 (18.02. - 23.02.)
Natürlich sind wir erst einmal fleißig weiter ins OSHO Meditation Resort gegangen und haben dort diverse Meditationen kennen gelernt. Diese bieten echt ein unglaubliches Repertoire, von wildem Tanz (Dance Celebration) über relativ ruhige Meditationen, bei denen man sich zu einem brummenden Gefäß werden lässt (Nadabrahma), über Lach- und Trommelllastige Meditationen hin zu Tai-Chi mäßigen Meditationen mit Derwish-Anteilen (Drehen bis zum Umfallen, No Dimensions). Jede Medi besteht meist aus 3-4 Phasen, von denen meist ein oder zwei zu Beginn (relativ) aktiv sind und dann eher aus „Witnessing“ … also Beobachten, was in und um einen herum vorgeht, bestehen.
Wir haben wirklich interessante Fortschritte gemacht und über viele Dinge nachgedacht während dieser Zeit, leider war die Anstrengung der dynamischen Meditation, gepaart mit dem durchgeschwitzt umherlaufen und um 6 Uhr aufstehen anscheinend etwas zu viel für Philips Abwehrkräfte. Daher hat Philip sich eine Erkältung eingefangen, die ihn erst zum herunterschalten und dann zu einer Auszeit zwang. Dana hat zwar noch zwei Tage löblich das volle Programm absolviert, dann jedoch auch die Viren zu spüren bekommen. Daher konnten wir nur noch sporadisch hin gehen und sind aufgrund des hohen Eintrittspreises dann bald auch nicht mehr gegangen. Da uns die Meditationserfahrungen jedoch so gut tun und gefallen haben, werden wir noch einmal wiederkommen - dazu später mehr.
Tag 10 - 11 (24. - 25.02.)
Die Auszeit haben wir natürlich hauptsächlich genutzt um gesund zu werden, im Bett zu liegen und uns wenig aktiv zu betätigen. Zudem haben wir in zwei Büchern von OSHO geschmökert, die wir uns zugelegt haben (echte Schnapper für je 2-3€), da diese Antworten auf unsere doch sehr zahlreichen Fragen liefern. Dies steht im Gegensatz zu unseren Erfahrungen im Meditation Resort. Denn die Meditationsleiter sind scheinbar nicht wirklich fundiert ausgebildet und haben möglicherweise nicht einmal die Einsteigerbücher gelesen, die wir gerade lesen - dort stehen nämlich Sachen drin (z.B. Hinweise mit leerem Magen zu meditieren - obwohl die Medi direkt nach dem Mittagessen angesetzt ist) die eigentlich eher ungeschickt umgesetzt sind. Auch werden die Meditationen und der Sinn dahinter nicht wirklich gut erklärt, noch Gelegenheiten geboten, um Fragen zu stellen. Wir haben jedoch einige sehr interessante Menschen kennen gelernt - unter anderem Bo aus Tschechien, der damals über Deutschland in den Westen geflohen ist und unser Land einfach nur genial fand für Freigeister wie ihn - die uns viele hilfreiche Tipps und Antworten geben konnten. Überhaupt ist die Stimmung im Resort relativ kritisch und nicht „fanatisch“… auch wenn viele den Meditationen begeistert nachgehen, so wird das Evening Meeting, wo es primär um OSHOs Vorlesungen geht, verhältnismäßig spärlich besucht.
An einem Tag waren wir noch in der Laxmi Road, einer wirklich proppevollen Einkaufsstraße, wie man sie von türkischen Basaren kennt - zu unserem Glück nur ohne die ganzen Händler, die einen in die Läden ziehen wollen, sowie mit festen Preisen, was Philip dem alten Verhandlungstalent sehr entgegen kommt.
Ernährungstechnisch wechseln wir uns momentan ab zwischen Essen bei Raga, der uns immer herzlicher begrüßt, dem teuren Kram im Resort und Früchten daheim (eine Papaya kostet hier nur ungefähr 1€ und die Dinger sind echt suuuper lecker). Zudem haben wir uns den Luxus geleistet, hier in eine Deluxe-Pizzeria zu gehen (ja, wir brauchten mal wieder etwas „gewohntes“), die europäische Preise verlangt.
Tag 12 - 16 (26.02 - 02.03.)
Aufgrund unserer Erkältungen haben wir unsere Pläne hier ziemlich spontan umgeschmissen. An sich wollten wir uns ja schon Ende Februar aufmachen um Indien weiter zu erkunden. Dies haben wir einige Tage nach hinten verschoben um erst einmal gesund zu werden. Zudem haben wir von Chetna (einer sehr dünnen australischen Bekannten im Resort) erfahren, dass es hier in der Nähe eine Apotheke gebe, die Kräuter habe um einem beim Gewicht zulegen zu helfen - da hat Philip natürlich große Ohren bekommen und wir sind direkt hin, sollten jedoch am nächsten Tag mit nüchternem Magen wieder kommen um unseren Puls checken und ein Beratungsgespräch durchführen zu lassen. Die beiden Ärzte stellten sich als ein Doktor und ein PhD in Ayurveda heraus und schlugen uns eine fünftägige Behandlung vor, die Philip einige Kilo auf und Dana das ein oder andere Pfund von den Rippen bringen sollte.
So gut die Apotheke auch eingerichtet ist, in der wir das Beratungsgespräch führten, das Behandlungszimmer befindet sich in einem Betonklotz 3 Etagen darüber und ist eher „typisch Indisch“ wie man so schön sagen könnte =) Mit europäischen Maßstäben also nicht wirklich zu vergleichen, in seiner Spartanität bestechend aber durchaus sauber ;) Der erste Tag der Behandlung sah so aus, dass Philip eine super entspannende ca. zweistündige Ganzkörpermassage mit warmen ätherischen Ölen und Cremes bekommen hat. Da die Inder generell mit ihren Zeitangaben („please wait five minutes, doctor is coming“ = 30 Minuten später kommt er, nur um dann zu sagen, dass das Zimmer noch hergerichtet werden muss, was ebenfalls nochmal 20 Minuten dauert) etwas… sagen wir mal „undeutsch“ sind, musste Dana leider unten knapp 1,5h auf Philip warten. Dieser kam ihr total durchgeknetet und entspannt entgegen und meinte „Wow… dich erwartet eine super entspannende Massage mit Ölen, bei der du sicher einschlafen wirst“. Dies sollte sich jedoch als eine große Lüge erweisen… Wer zunehmen will, dessen Körper wird wohl ziemlich gepämpert und gut umsorgt… wer abnehmen will, den erwartet eine etwas weniger entspannende Behandlung: eine „Massage“ mit Sand =) So ging es die nächsten Tage auch weiter… während Philip größtenteils entspannende Massagen und Ölbehandlungen erhielt, obwohl auch hier ab und zu die Schmerzgrenzen erforscht wurden, so wurde Dana mit Sand massiert, entgiftet und durfte einen Tag nichts essen, gefolgt von zwei Tagen nur mit 1-2 Reissuppen. Wer schön sein will muss leiden ;) Philip hat zudem Gewürze bekommen, die seinen Appetit anregen sollen (als ob er sowas braucht ^^) und ihn eher vor das Problem stellten, genug magenverträgliches Essen zu finden. Heute, wo wir diesen Blog schreiben, ist der letzte Tag unserer Ayurveda Kur. Philip wurde eine „königliche“ Behandlung versprochen, bei Dana hüllten sie sich eher in Schweigen und nannten es nur die „finale“ ;) Wir sind gespannt, was passiert.
An einem Tag auf dem Weg zur Pharmacy haben uns zwei Bettlerinnen abgefangen mit der (vielleicht wahren) Geschichte, dass der Vater im Krankenhaus liegt und die Kinder Hungern etc. Während Philip ihnen fast entkommen wäre, konnte die gutherzige Dana nicht weiter gehen, als die Damen sagten, dass sie kein Geld wollten sondern nur etwas zu essen… Naaaa gut. Erst war die „Absprache“, dass wir zum Kiosk gehen und ihnen auf dem Rückweg etwas mitbringen, 20m weiter wurden wir jedoch wieder eingeholt und von der - man muss schon zugeben wirklich freundlichen Bettlerin - zum Kiosk (=Supermarkt) eskortiert. Dort bestellte sie dann Nüsse und eine riesige Flasche Öl (was hier wohl eins der teuersten Produkte ist), sowie trotz unserer mittlerweile herunterfallenden Gesichtslade bezüglich des Preises von 600 Rupie noch etwas (=3-4kg) Reis. Der Verkäufer hatte uns zwar anfangs auch gefragt, ob das „okay“ sei, doch wir sind einfach zu weich und haben mehr als 800 Rupien später diese Erfahrung als „Lehrgeld“ verbucht und uns entschlossen sowas nicht wieder zu tun. Normalerweise freuen sich die BettlerInnen hier schon über 10 Rupien und eine Rikscha-Fahrt von unserem Haus zum Resort kostet 20 (offiziell, wenn sie das oft kaputte Taxameter anmachen 15) bis 30 Rupien. Demnach könnt ihr euch vorstellen, was wir für ein Glücksfall für besagte Dame gewesen sind… aber gut - auch wenn wir uns das nicht immer leisten könnten, so war es ja doch für einen guten Zweck.
Gestern waren wir dann noch im „Reisebüro“… erneut seht ihr Gänsefüßchen, die euch auf das folgende Bild vorbereiten:
Trotz Termin haben wir dort geschlagene 80 Minuten gewartet, während die Organisatorin wohl - sehr busy mit ihrem Handy - versucht hat ein Tourpaket für Südindien zu organisieren, welches sich im Endeffekt als weit über unserem Budget heraus gestellt hat. Doch mittlerweile sind wir diese „polychrone“ (wie man so schön sagt) Relativität von Zeit ziemlich gewohnt und uns hat es kaum etwas ausgemacht. Vielleicht spielen hier auch die Meditationserfahrungen und das Warte-Training mit den Ayurveda-Doktoren mit rein ;) Hier Pünktlichkeit zu erwarten kommt uns jedenfalls mittlerweile relativ lächerlich vor und wir müssen bei dem Gedanken grinsen, wie es in Deutschland läuft. Geplant ist - statt dieses Tourpaketes - nun einfach in einen Schlafzug in den Süden Indiens zu hüpfen und auf dem Weg zurück nach Norden in ca. 5 Städtchen sowie einem Nationalpark halt zu machen. Angesetzt sind für dieses Abenteuer 14 Tage und wir versprechen euch, dann auch endlich einige Fotos zu schießen =) Eigentlich wollten wir hier noch eine Stadtrundfahrt durch Pune machen und haben extra mit dem Bloggen auf dieses Fotomaterial gewartet, doch diese Rundfahrt ist auch unter die Räder der spontanen Umplanung und unserer Erkältungen gekommen und da wir morgen oder übermorgen auschecken werden, ist dies wohl die letzte Gelegenheit von uns hören zu lassen. Wie es unterwegs mit Internet aussieht ist ziemlich ungewiss.
Kleines Update: Wir waren nun gerade in besagtem Reisebüro und haben unsere Fahrt in den Süden gebucht. Die Wahl war noch 1 Tag länger in Pune zu bleiben und dafür nen Abteil mit AirConditioning zu haben, oder übermorgen zu fahren, dann aber „nur mit Fenster“. Wir haben uns für letzteres entschlossen - in der Nacht wird es ja schon nicht so warm sein, so der Gedanke - bis uns dann eröffnet wurde, dass wir nicht EINE Nacht im Zug verbringen werden, sondern ZWEI ?! =) Die Zugfahrt dauert nämlich angenehme 35 Stunden (2200km) - Das Abenteuer kann beginnen (lies: worauf lassen wir uns da ein?? ^^)!
Abschließend wollen wir dann zwischen dem 19. und 26. noch einmal 5-6 Tage am Stück das Flair der Meditation in Pune genießen, da auch dies jäh unterbrochen wurde, um dann am 27. in Mumbai anzukommen, die Stadt etwas zu erkunden und 3 Tage später in den Flieger nach Deutschland zu steigen.
Ihr seht also… es ist nicht mehr lang und dann stehen wir wieder auf eurer Fußmatte =) Wir freuen uns schon sehr darauf euch wieder zu sehen, wünschen euch bis dahin eine schöne Zeit und alles alles Gute,
Eure Indi-ana
Oh wow, in meiner Phantasie ist es schon ein Vorteil, in Indien einen Platz IM Zug zu haben und nicht auf dem Dach ... Also kann nur alles gut werden! Eine wunderbare Reise wünsche ich Euch und wir arbeiten schon alle daran, die Fussmatten in rote Teppiche zu verwandeln! ;)
AntwortenLöschenBis bald, Mama.